Dörthe Priesmeier kennt natürliche Strategien, mit denen Gärtner*innen den Schnecken das Buffet vermiesen.
Wenn die mühsam gezogenen Salate über Nacht verschwinden, ist meist klar: Dörthe Priesmeier nennt sie liebevoll „die heimlichen Gourmets des Gartens“ – Schnecken. Was im ersten Moment fast charmant klingt, sorgt bei vielen Hobbygärtnern für Frust. Besonders nach regnerischen Nächten oder im Frühjahr, wenn das zarte Grün gerade sprießt. Die Kriechtiere hinterlassen Fraßspuren, Schleimspuren und enttäuschte Blicke aufs Beet. Doch es gibt Mittel und Wege, mit ihnen umzugehen. Ohne Gift, ohne Wut, aber mit klarem Plan.
Sie kommen lautlos, hinterlassen Chaos und verschwinden, bevor man sie sieht. Schnecken gehören zu den häufigsten, aber auch hartnäckigsten Gästen im Garten. Dörthe Priesmeier sieht darin kein Grund zur Panik, sondern zur Umstellung. Denn wer versteht, wie die Tiere ticken, kann sie gezielt ausbremsen. Statt mit Schneckenkorn und Frust zu kämpfen, rät sie zu einem Mix aus Beobachtung, Barriere, Timing und Pflanzenwahl. Das A und O ist dabei Geduld: Schneckenschutz funktioniert nicht über Nacht, sondern entsteht durch konsequente, aber sanfte Maßnahmen. Morgens sammeln, abends gießen vermeiden, raue Oberflächen schaffen, das sind kleine Schritte mit großer Wirkung. Nicht jeder Garten muss schneckensicher sein, aber schneckenklug sollte er schon sein.
Warum Schnecken nicht einfach „weg müssen“
Zwischen Fressfeind und Feuchtigkeitsfan
Schnecken gehören zur Natur, auch wenn das manchmal schwer zu akzeptieren ist. Sie zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial, dienen Vögeln, Kröten und Igeln als Nahrung und haben im ökologischen Gefüge durchaus eine Rolle. Das Problem: Ihre Vorliebe für junge Pflänzchen kollidiert mit dem menschlichen Wunsch nach unversehrtem Grün. Besonders beliebt sind frisch gesetzte Salate, Ringelblumen, Basilikum oder Sonnenblumen. Genau dort sollte man besonders wachsam sein und Alternativen anbieten. Denn: Schnecken sind nicht dumm. Sie wählen, was lecker riecht, weich ist und leicht zugänglich. Wer ihnen diesen Mix verwehrt, hat oft schon gewonnen.
Feuchte Nächte, offene Beete
Schnecken sind nachtaktiv, brauchen Feuchtigkeit und mögen keine Hitze. Typischerweise kommen sie in den frühen Morgenstunden oder bei Regen auf die Pirsch. Offene Erdflächen, mulmige Ecken und dichte Bepflanzung bieten ihnen ideale Bedingungen. Dörthe Priesmeier empfiehlt daher, den Garten so zu gestalten, dass er für Schnecken unattraktiv wird. Weniger offene Erde, dafür strukturierte Beete, gezielte Trockenzeiten und klug gesetzte Hindernisse. Ganz ohne Kampf aber mit Taktik.
Welche Maßnahmen wirklich helfen
Die besten Strategien im Überblick
Es gibt nicht „die eine Lösung“, sondern ein Zusammenspiel wirksamer Methoden. Und: Was im einen Garten funktioniert, kann im anderen wirkungslos sein. Deshalb rät Priesmeier, Maßnahmen individuell zu kombinieren:
- Schnecken absammeln: besonders früh morgens oder abends bei Feuchtigkeit. Nicht schön, aber effektiv.
- Beete mit Kupferband einfassen: Schnecken meiden den Kontakt, da es ihre Schleimproduktion stört.
- Pflanzen gezielt schützen: zum Beispiel mit Kragen, Schneckenringen oder Hochbeeten.
- Raubtiere fördern: Igel, Vögel, Laufenten. Ein naturnaher Garten hilft, das Gleichgewicht zu halten.
- Verstecke vermeiden: zum Beispiel Bretter, Töpfe oder hohe Mulchschichten.
- Kaffeesatz streuen: für viele ein Geheimtipp, der wirkt: Schnecken meiden die raue, trockene Oberfläche.
- Pflanzenauswahl anpassen: nicht alles im Beet muss schmecken.
Wichtig dabei: Konsequent bleiben. Einmaliges Streuen oder Absammeln reicht nicht, erst die regelmäßige Anwendung bringt Erfolg.
Dörthe Priesmeiers Pflanzenwahl: Was Schnecken meiden – und was sie lieben
Smarte Kombis statt reines Risiko
Wer jedes Jahr aufs Neue seinen Salat verliert, sollte umdenken. Es muss nicht immer die „klassische“ Mischkultur sein, entscheidend ist, welche Pflanzen den Schnecken gar nicht schmecken.
Priesmeier setzt dabei auf klare Erfahrungswerte. Ihre Favoriten:
- Was Schnecken eher meiden:
- Farn, Lavendel, Thymian
- Zierlauch, Fetthenne, Frauenmantel
- Tomate, Zucchini (ältere Pflanzen)
- Rittersporn, Lupinen
- Was sie lieben:
- Salat, Basilikum, Sonnenblume
- Dahlien, Studentenblumen (Tagetes)
- Kürbis (besonders jung)
- Erdbeeren (reif und saftig)
Ein cleverer Gartenaufbau mit „Abwehrpflanzen“ rund um gefährdete Arten kann helfen, Schnecken umzuleiten oder ganz fernzuhalten.
Warum Schneckenkorn keine langfristige Lösung ist
Mehr Schaden als Nutzen?
Viele greifen im ersten Frust zu Schneckenkorn. Verständlich, aber nicht ungefährlich. Besonders Produkte mit Metaldehyd schaden nicht nur Schnecken, sondern auch anderen Tieren. Igel, Katzen oder Vögel nehmen die Pellets auf und das oft mit tödlichen Folgen. Auch Eisen-III-Phosphat, die „biologisch abbaubare“ Variante, bleibt umstritten. Denn es stört das Gleichgewicht im Boden und kann auf Dauer mehr Schnecken anziehen, als es vertreibt.
Dörthe Priesmeier rät daher: „Lieber ein lebendiger Garten mit ein paar Schnecken, als ein scheinbar perfekter ohne Leben.“
Schneckenfreundliche Fallen? Nur, wenn richtig genutzt
Bierfalle, Gemüseschale & Co.
Sie sind beliebt, aber problematisch: Schneckenfallen mit Bier locken nicht nur Tiere aus dem eigenen Garten, sondern auch aus der Nachbarschaft an. Und dann? Haben sie zwar ein Ziel, aber das Beet liegt meist direkt daneben.
Besser: mit altem Gemüse gefüllte Tonuntersetzer am Rand des Gartens. Abends ausgelegt, morgens abgesammelt. Funktioniert, solange man es regelmäßig macht und den Inhalt wirklich entfernt.
Beispiel aus dem Alltag: Ein Garten mit Schneckenbalance
Nicht „schneckenfrei“, aber friedlich
Ein typischer Reihenhausgarten, etwa 80 Quadratmeter, viele Beete, ein Hochbeet, etwas Rasen. Die Besitzerin: keine Biogärtnerin, aber engagiert. Vor zwei Jahren verzweifelt, weil Salat, Spinat und Ringelblumen innerhalb weniger Tage verschwanden. Heute? Sie setzt auf Hochbeete, Lavendel zwischen den Gemüsepflanzen, Kupferbänder an besonders gefährdeten Stellen. Die Schnecken gibt es immer noch, aber sie richten kaum Schaden an. Absammeln gehört zur Abendroutine. Schneckenkorn? Schon lange nicht mehr im Schuppen.
Der Garten als lernendes System
Beobachten statt bekämpfen
Gärtnern heißt: zuhören, beobachten, reagieren. Schnecken sind keine Feinde, sondern Teil des Systems. Wer sich darauf einlässt, findet oft bessere Lösungen als jede chemische Keule. Dörthe Priesmeier setzt auf diese Haltung. Ihre Tipps beruhen nicht auf Patentrezepten, sondern auf Erfahrung. Jeder Garten ist anders. Jeder Sommer auch. Aber wer das Verhalten der Schnecken versteht und ihnen nicht versehentlich ein Festmahl serviert, kann entspannter durch die Saison gehen.
Leben und leben lassen – Koexistenz im Garten
Der perfekte Garten existiert nicht in steriler Reinheit, sondern im lebendigen Miteinander. Wer glaubt, Erfolg bedeute die vollständige Kontrolle über jeden Quadratmeter, übersieht das Wesentliche: Gärten sind Ökosysteme, keine Museen. Schnecken, Käfer, Vögel und unzählige andere Lebewesen gehören dazu, genau wie wir Menschen. Die Kunst liegt nicht im Ausschalten der Natur, sondern im klugen Navigieren ihrer Gesetze. Das bedeutet, Kompromisse zu finden: hier ein Salatbeet mit Schneckenschutz, dort eine wilde Ecke für die heimlichen Gourmets. Manchmal heißt es auch, Verluste zu akzeptieren und trotzdem weiterzumachen. Ein Garten ohne gelegentliche Überraschungen wäre langweilig und meist auch leblos.
Wer lernt, die Zeichen zu lesen und vorausschauend zu handeln, erntet nicht nur Gemüse und Blumen, sondern auch Gelassenheit. Der perfekte Garten ist nicht der ohne Schnecken, sondern der, in dem Mensch und Tier nebeneinander existieren dürfen und das mit kluger Planung und ruhiger Hand. Dörthe Priesmeier zeigt, wie das geht und ganz ohne Drama, aber mit viel Verstand.